Wer sich an Leinwandlegende Charlie Chaplin erinnert, verbindet in aller Regel untrennbar mit seinem Lebenswerk Filme wie Goldrausch (1925), Lichter der Großstadt (1931), Moderne Zeiten (1936) oder Der große Diktator (1940).
Chaplins Spätwerk mit Filmen wie Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris (1947), Ein König in New York (1957) oder Die Gräfin von Hongkong (1967) genießen hierbei eher ein Schattendasein hinter dem Rampenlicht seiner größten Klassiker!
Ähnlich verhält es sich mit seiner 1952 veröffentlichten Tragikomödie Limelight (Rampenlicht), die auch in der damaligen Bewertung der Kritiker und Zuschauer aufgrund Chaplins Verdächtigung des Kommunismus zu leiden hatte.
Darin geht es um den ehemals erfolgreichen Komiker Calvero, der die Verbindung zum Publikum verlor und schließlich zum Alkohol griff. Dies führte zu einem Herzinfarkt, den er aber überlebte. Auch sechs Monate nach seiner Krankenhausentlassung ist es ihm nicht wieder gelungen, eine neue Anstellung zu finden, nachdem die gesamte Branche Calvero als Komiker aufs Abstellgleis schieben wollte.
Als er schließlich vom Alkohol berauscht an der Tür zu seiner Wohnung Gasgeruch bemerkt, entdeckt er im Raum des Geschehens eine junge Frau, die bewusstlos auf dem Bett liegt. Dabei handelt es sich um Thereza Ambrose (Terry), die einst eine erfolgreiche Balletttänzerin war, aber für einige Zeit aufgrund ihres Rheumas pausieren musste. Nachdem sie aufgrund ihrer Erkrankung diesen Beruf nicht ausüben konnte, wollte sie sich das Leben nehmen. Doch Calvero gelingt es dies zu verhindern und ihrem Leben einen neuen Sinn zu verleihen.
Rampenlicht von Charlie Chaplin ist in seinem gesamten Tonfall ein kompletter Gegenentwurf zu seinen klassischen Komödien, die sich vor allem auf den Slapstick fokussieren. Klassische komödiantische Nummern finden hier hauptsächlich im Rahmen von Auftritten der Figuren statt, während die restliche Handlung mit einer sehr tragikomischen und teils auch philosophisch gefärbten Note versehen ist.
Dabei weist Rampenlicht starke biografische Züge aus Chaplins Leben auf, da er den Film als Hommage an das Londoner Varieté-Milieu, in welchem er seine Karriere startete, inszenierte.
Chaplins Schauspiel ist hierbei von einer theatralischen Dominanz geprägt, die aber eine durchgehend würdevoll-anrührende Glaubwürdigkeit besitzt, welche glänzend mit seiner Figur harmoniert. Die Rolle gibt dem Zuschauer so einen schonungslosen Blick in die Schauspielbranche, aber auch seiner damaligen Vita, die ihre kommerziellen Hochglanzzeiten bereits hinter sich hatte. So schwingt in seinem Film auch immer eine gehörige Prise Wehmut und Nachdenklichkeit mit, die dem „traurigen Clown“ eine aufrichtige Würdigung ermöglicht. Claire Bloom kann darüber hinaus als weiblicher Part viele charismatische Momente für sich beanspruchen, die ihre Terry zu einer liebenswürdigen jungen Frau machen.
Ebenso kann Chaplins komponierte Filmmusik in den emotionalsten Momenten ergänzend auftrumpfen.
Fazit: Somit ist Rampenlicht aus meiner Sicht ein sehenswertes, aber für den Mainstream leider auch etwas in Vergessenheit geratenes Melodram aus Chaplins Spätwerk, das dank seiner Hauptdarsteller sowie philosophisch-berührenden Momenten und vereinzelten Slapstick-Einlagen zu überzeugen vermag. Letztlich ein überaus reifes Spätwerk, das den ersten Weltstar des Kinos in einem würdigen Rampenlicht erstrahlen lässt.
Dafür vergebe ich gerne 90 von 100 Balletttänzerinnen!
Hinweis: Rampenlicht ist u.a. auf der Charlie Chaplin Complete Collection auf Blu-ray oder DVD zu finden. Einer empfehlenswerten Edition mit 10 Spielfilmen und 7 Kurzfilmen bzw. mittellangen Filmen aus Chaplins Lebenswerk. Hinzu kommen jede Menge Extras. Darüber hinaus könnt ihr Rampenlicht kostenlos bei Plex oder über den ARTHAUS+-Channel bei Prime Video streamen.


